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Aktuelles

Engagement gewürdigt

STRAZE gewinnt Preis der Bundeszentrale für politische Bildung

Am Vorabend des 3. Oktober ist das Projekt STRAZE mit dem „einheitspreis 2020“ in der Kategorie Mensch ausgezeichnet worden. Seit 2002 werden mit diesem Preis Menschen und Initiativen prämiert, die sich in der Vergangenheit für die Wiedervereinigung eingesetzt haben und solche, die die Einheit aktuell leben und sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Solidarität engagieren. Dafür steht auch die STRAZE.

STRAZE gewinnt Preis der Bundeszentrale für politische Bildung

Am Vorabend des 3. Oktober ist das Projekt STRAZE mit dem „einheitspreis 2020“ in der Kategorie Mensch ausgezeichnet worden. Seit 2002 werden mit diesem Preis Menschen und Initiativen prämiert, die sich in der Vergangenheit für die Wiedervereinigung eingesetzt haben und solche, die die Einheit aktuell leben und sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Solidarität engagieren. Dafür steht auch die STRAZE.

Katriona Dannenberg, seit 2007 für den Erhalt und Wiederaufbau des ehemaligen Gesellschaftshauses in der Stralsunder Straße 10 in Greifswald aktiv, nahm die Würdigung am Freitagabend, stellvertretend für unzählige Engagierte rund um die STRAZE, entgegen. „Ich freue mich wirklich sehr, dass unser Engagement überrregional wahrgenommen und gewürdigt wird”, berichtet Dannenberg. Laudator Daniel Kubiak sagte über die STRAZE: „Was das Projekt besonders stark macht ist, dass es als Siegerin eines einheitspreises vor allem durch seine Vielfalt besticht. Es ist eben ein Wohnprojekt, ein Kulturprojekt, ein Projekt, dass Arbeitsraum schafft und vielen diversen Vereinen und Initiativen aus Greifswald Räume anbieten kann.“ Das Jurymitglied des einheitspreis 2020 wünschte alles Gute für die bevorstehende Eröffnung und kündigte einen Besuch in Greifswald an.

Der mit 5000 Euro dotierte Preis wurde selbstverständlich gefeiert, das Geld wird für den weiteren Hausaufbau genutzt. Dass es beim einheitspreis um Solidarität und Zusammenhalt geht, ist Katriona Dannenberg besonders wichtig: „Ich engagiere mich gegen jede Form von Ungerechtigkeit, auch global betrachtet. Ich freue mich über die Auszeichnung und die Aufmerksamkeit, die wir bekommen. Ich möchte genau diese Aufmerksamkeit nutzen, um auf globale Ungerechtigkeit und Menschenrechtsverstöße hinzuweisen. Dazu muss man gar nicht weit gehen. Verschiedene Menschen aus der STRAZE haben Kontakt zu Menschenrechtsaktivist*innen und zivilgesellschaftlich Engagierten in der Türkei und in Belarus. Diese Menschen machen das wofür wir hier ausgezeichnet werden und sitzen jetzt im Gefängnis. Diesen Menschen gilt unsere Solidarität."

Aufgrund der COVID-19 Pandemie fand die Preisverleihung in einer Videokonferenz statt. Während eine kleine Gruppe Ehrenamtlicher online mit den anderen Preisträger*innen aus ganz Deutschland zusammenkam, wurde in der STRAZE weitergebaut. Wenige Tage vor der Eröffnung am 15. Oktober müssen noch einige Arbeiten fertiggestellt werden. Von früh bis spät werkeln die Hausnutzer*innen. Ungefähr 30 Vereine und Initiativen sind Teil der STRAZE, der Greifswald International Students Festival (GrIStuF) e. V. war am Mittwoch in die STRAZE eingezogen, am 3. Oktober folgte die Nähwerkstatt Kabutze.

Laudatio von Daniel Kubiak am 2.10.2020:

Ich freue mich ganz besonders, dass ich in der Kategorie Mensch die Laudatio auf die Siegerin halten darf. Ich selbst habe 8 Jahre in einem selbstverwalteten Wohnprojekt gewohnt und kenne das Gefühl, welches unsere Preisträger*innen am 15.10. haben werden, wenn Sie Ihr Projekt auch ganz offiziell – nach 14 jähriger Aufbauarbeit - eröffnen werden. Es handelt sich um ein Wohn- und Kulturprojekt unweit der Greifswalder Innenstadt ganz oben im Nordosten der Republik: die STRAZE. Sie haben sich in einer Kategorie durchgesetzt, die wirklich mit vielen starken und tollen Projekten besetzt war.
Die STRAZE ist ein ganz besonderes Projekt beim einheitspreis und verbindet viele Dinge, die diesen Preis ausmachen. Was das Projekt besonders stark macht ist, dass es als Siegerin eines einheitspreises vor allem durch seine Vielfalt besticht. Es ist eben ein Wohnprojekt, ein Kulturprojekt, ein Projekt, dass Arbeitsraum schafft und vielen diversen Vereinen und Initiativen aus Greifswald Räume anbieten kann. Es wird aufgebaut von Greifswalder*innen und Zugezogegen aus Ost und West, von Menschen mit großer Expertise und Vorerfahrung im Bau oder im Kulturbetrieb aber auch von Leuten, die einfach gerne unterstützen und helfen wollen. Es befindet sich im Nordosten Deutschlands, ein Raum, der sich nicht erst seit der Friedlichen Revolution mit Themen, wie Strukturschwäche, Rechtsextremismus und Wegzug beschäftigen, welcher aber auch viele kleine gute Projekte (es seien nur die Demokratiebahnhöfe in Anklam oder die Gemeinschaft im Lassaner Winkel genannt) beinhaltet und natürlich vor allem für seine weite und leere Landschaft bekannt und geliebt ist. Somit ist auch die STRAZE ein Produkt der Einheit, denn leerstehende Häuser gibt und gab es seit 1990 genug.

In dem Haus werden viele Projekte einen Raum und im wahrsten Sinne des Wortes ein Zuhause finden. Zu diesen Projekten gehören Bildungsprojekte, studentische Projekte, Naturschutzprojekte, Demokratieprojekte, Filmclubs, Antidiskriminierungsprojekte, queere und feministische Projekte, Projekte des deutsch-polnischen Austausches und noch viele andere. Und der Raum ist es, was für viele solidarische Projekte essentiell ist. Raum, um gut arbeiten zu können, sich treffen zu können und gemeinsam wirken zu können ist sehr wichtig. Ostdeutschland gilt seit den 1990er Jahren schon lange als ein Raum der Möglichkeiten. Festivals, Ökodörfer, Freie Schulen, alternative Lebensgemeinschaften sprießten und sprießen in der Landschaft. Es gab auf einmal viel Freiraum, wo das möglich war. Gleichzeitig war der Immobilienmarkt auch nicht untätig, hat im ländlichen Raum vor allem Fläche und in den ostdeutschen Städten vor allem Wohnraum gekauft. Über 85 % des vormals staatseigegen Wohnraums wurde privatisiert, meist an westdeutsche Firmen oder Privatiers. Gentrifizierung sind in Städten wie Berlin, Leipzig, Dresden, Jena, Rostock, Schwerin, Halle und Magdeburg keine Fremdwörter mehr. So ist die STRAZE auch vor diesem Hintergrund ein wichtiges Projekt, denn die über 30 Aktiven, die über lange Zeit an der Idee und der Umsetzung gearbeitet haben, haben ein historisches Gebäude erworben und umgebaut und stellen dieses nicht privaten Vermögeninteressen zur Verfügung, sondern geben als Verein das Haus der Stadtgesellschaft zurück. Das ist besonders lobenswert.

Das Haus selbst ist ein 150 Jahre altes Gebäude nördlich der Greifswalder Innenstadt. Es diente schon immer als „Gesellschaftshaus“, also einem Ort, wo sich die Stadtgesellschaft von Greifswald treffen konnte. Ich kann jetzt nicht die gesamte historische und architektonische Geschichte wiedergeben, das können andere besser, aber alleine wenn man sich auf der Homepage durchliest, wieviel Mühe es dem Trägerverein gekostet hat, das Haus zu erwerben (Spoiler, rund 7 Jahre) und dann nochmal eine Bauzeit in Summe von 6 Jahren durchzustehen, kann man schon erahnen, wieviel (vor allem ehrenamtliches) Herzblut und Engagement in diesem Projekt steckt. Das Haus hat einen Wohnbereich, einen großen Veranstaltungssaal und viele Arbeitsräume. Ab jetzt kann endlich das Engagement, welches in den Bau ging in neue tolle Projekt in Greifswald gesteckt werden. Es geht u.a. schon los mit ganzen vielen Kultur- und Bildungsveranstaltungen ab Mitte Oktober. Ich wünsche damit viel Erfolg und hoffe, dass das Preisgeld von 5.000 EUR sinnvoll genutzt werden kann (da bin ich mir sicher) und wenn ich darf und es keinen neuen Lockdown gibt, dann würde ich mich freuen spätestens zum Konzert von der wundervollen Liedermacherin dota die Kleingeldprinzessin am 30.10.2020 mal vorbei kommen zu können und gucke mir das fertige Haus an.

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