21. Oktober 2025 ///
Am 28.10.25 um 18 Uhr liest Karolina Ćwiek-Rogalska aus ihrem Buch „Ziemie. Historie odzyskiwania i utraty" (Länder. Geschichten vom Wiedererlangen und Verlieren) bei Teatr Brama in Goleniów. Die Veranstaltung wird simultan ins Deutsche übersetzt.
Im Jahr 1945 versetzte die neue Grenzziehung Millionen Menschen in Bewegung. Ein riesiges Gebiet, das im Westen an die Oder und die Lausitzer Neiße grenzte, wurde zu Polen. An anderen Orten wurde Polen ausgelöscht, obwohl man darüber nicht laut sprechen durfte. In den „wiedergewonnenen Gebieten" wurden die Uhren auf mittelalterliche Zeit umgestellt, wobei der Piasten-Mythos im Mittelpunkt stand. Den Neuankömmlingen wurden Wohlstand und Frieden versprochen. Die Siedler und Siedlerinnen fanden vor Ort Chaos vor, Gebäude aus rotem Backstein und Fachwerk, Inschriften in deutscher Gotik. Wie kann man sich zu Hause fühlen, wenn alles um einen herum anders, fremd, „postdeutsch" ist?Aus Berichten, Dokumenten und Tagebüchern entsteht das Bild von Menschen, die versuchten, sich an einem neuen Ort zurechtzufinden, Polen und sich selbst aufzubauen. Die Autorin lässt freiwillige Siedler, aus dem Osten zwangsumsiedelte Menschen, Soldaten, die den Pommerschen Wall stürmten, Beamte und auch Deutsche, für die diese Gebiete Heimat waren, zu Wort kommen.Es ist eine einzigartige, bis in die Gegenwart fortgeführte Erzählung über große Geschichte, Politik, Propaganda, internationale Abkommen, Erinnerungskultur, Mythen und deren Dekonstruktion. Und auch über alltägliche menschliche Entscheidungen, die in der neuen Realität getroffen werden mussten. Über schwierige Entscheidungen, über die viele geschwiegen haben.Es ist auch eine persönliche Geschichte der Autorin, der Enkelin von Siedlern, geboren im seit Jahrhunderten grenznahen Wałcz/Deutsch Krone in Mittelpommern. „Ich versuche, die Geschichten möglichst vieler Familien nachzuzeichnen. Geschichten anderer, die mir vielleicht etwas über meine eigene erzählen. Und die auch den Leserinnen und Lesern etwas erzählen, die ähnliche Fragen wie ich beschäftigen."Und es ist ein Buch über Wurzeln – geschlagene und abgeschnittene, über Identität und Geister der Vergangenheit, die nie ganz verschwinden.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projektes "ID:Pomerania" statt und wird kofinanziert durch das Programm Interreg VI A Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg/Polen 2021-2027. Das Projekt wird vom polnischen Kulturministerium aus nationalen Mitteln für Kulturförderung kofinanziert.