24. Juni 2026 ///

10 Jahre Neues Dach auf der STRAZE

Rückblick auf die Sommerbaustelle 2016

Vor 10 Jahren fand ein Schlüsselmoment auf dem Weg von beantragter Abrissgenehmigung für das Baudenkmal "Zum Greif" hin zum sanierten Wohn- und Kulturprojekt STRAZE statt. Freireisende Wandergesell*innen haben in ihrer traditionellen Soli-Sommerbaustelle Dachstuhl und Dach erneuert.

Es ist eine turbulente Geschichte. Nadja, die schon viele Jahre im STRAZE-Kernteam engagiert ist und selbst Wandergesellin war, wusste aus ihrer Zeit unterwegs um diese Sommerbaustellen. Es gibt sechs Reisende Handwerksvereinigungen, so genannte Schächte (wovon vier nur Männer zulassen, was skeptisch macht), und die Freireisenden.

Beworben für die Sommerbaustelle haben wir uns erstmal bei Axt und Kelle. Nach zwei vergeblichen Anläufen haben uns die Freireisenden schließlich zugesagt. Im Sommer 2016 waren über vier Wochen zwanzig bis vierzig reisende Handwerker*innen bei uns, haben hier gearbeitet, gewohnt und gefeiert. Zum Abschlussfest waren es etwa hundert!

Schon vor Beginn der Baustelle wurde eine Sommerküche gebaut, die sich als äußerst hifreich erwies, sowie Komposttoiletten, wo heute die neue Tischtennisplatte im Biergarten steht. Zwei Wandergesell*innen reisten schon vier Wochen vor Beginn an, um weitere Dinge vorzubereiten und die Infrastruktur zur verbessern. Es wurden Lagercontainer beschafft, ein Duschcontainer, ein Badezuber und ein Zirkuszelt als Gemeinschaftslager aufgestellt -- Und dann ging es richtig los.

Die Hauptarbeiten in dieser Zeit entfielen auf die Schwammsanierung des Dachstuhls. Gebälk wurde ausgetauscht, es wurde gemauert und geschmiedet. In dieser Zeit wurde auch das Backhaus samt Pizzalehmofen errichtet. Im Team der Wandergesell*innen gab es auch einen reisenden Koch, der aus Essensspenden tagein tagaus warme Mahlzeiten gezaubert hat. Gleichzeitig wurde neben dem Tisch auch das Dach gedeckt.

Eine feste Institution in Greifswald waren zu dieser Zeit schon die gemeinsamen STRAZE-Subbotniks, in denen viele, viele freiwillige Helfer*innen aus der ganzen Stadt Putz abgeklopft, Wände eingerissen und Schutt aus dem Haus getragen haben. Es sind unzählige Container gefüllt und vom Gelände gefahren worden. 

Und, siehe da: bereits 2018 konnten die ersten Bewohner*innen ihre WG-Zimmer in der STRAZE beziehen. Das hätte sich ohne diesen Kraftakt vor zehn Jahren, im Sommer 2016, vermutlich wesentlich verzögert, und bedeutete gleichzeitig, dass bereits mitten in der Aufbauphase schon erste Mieteinnahmen die Sanierungskosten ein wenig lindern konnten.

Ein Ende der Baustelle war noch längst nicht in Sicht. Aber so konnte sich fortan komplett dem öffentlichen Gebäudeteil gewidmet werden. Nun folgte ein Bauwochenende aufs nächste, nur unterbrochen von diversen AWWCs (After-Work-Work-Clubs), bis endlich wieder das nächste Wochenende anklopfte: Kelle, Akkuschrauber, Fermacell-Platte unter den Arm geklemmt. Wir konnten dabei natürlich nicht alles selbst machen: Diese unzähligen Stunden Eigenleistungen liefen parallel zu den Bauarbeiten beauftragter Firmen.

Und so wurden bis zur Eröffnung im Oktober 2020 durch viele helfende Hände im öffentlich zugänglichen Teil (ohne den Neubau, der das STRAZEcafé und die Seminarräume beherbergt) gut 2400 m² Fermacellplatte verbaut (Wir lieben Trockenbau!!), rund 760 m² Parkett verlegt, 500 m Fußleisten an die Wände gebracht, 2610 m² Wände und Decken gestrichen, und 500 m Acrylfugen gezogen.

Und da ein Leben ohne Baustelle nur halb so schön ist, gibt es auch weiterhin kleine Sommerbaustellentage, in denen wir die STRAZE weiter hegen und pflegen, damit wir alle gemeinsame möglichst lange Freude an diesem unseren Haus haben. Auch diesen Sommer “bauen” wir wieder vom 27.-31.07.26, ganztägig. Wenn du Interesse hast, an einem oder mehreren Tagen dabei zu sein, melde dich gern per Mail an kaputt[at]straze[dot]de. Für ein warmes Mittagessen und gute Laune ist gesorgt.